Tipps & Tricks
       
    Fahrzeugpapiere für importierte Roller; Eigenimporte von Vespas 

    Spätestens nach der x-ten Besichtigung einiger Vespa-Fragmente, die in Kleinanzeigen als „kompletter Originalzustand“ oder mit den Worten „nur der Lack müßte mal gemacht werden“ vollmundig für teures Geld angeboten werden, kommt der „Oldie-Besitzer in spe“ auf den Gedanken, sich sein zukünftiges Gefährt per Eigenimport direkt aus Italien oder anderen südlichen Ländern zu besorgen. Bei aller Begeisterung für altes Blech in runden Formen und der meist mehr oder weniger unkaputtbaren Simpel-Technik wird oft vergessen, sich rechtzeitig um den erforderlichen Papierkram zu kümmern. Die Beschaffung deutscher Papiere für das Objekt der Begierde ist oft mit einigem Aufwand verbunden. 

         
    Bei aus dem Ausland eingeführten gebrauchten Vespas fehlen oftmals die Originalpapiere; vor allem bei Rollern aus Italien, da hier beim Abmelden normalerweise die carta di circolazione (entspricht dem deutschen Fahrzeugbrief) zusammen mit dem Kennzeichen eingezogen wird (nach welchen Regeln hierbei vorgegangen wird, habe ich noch nicht durchschauen können). 
         
    Kauf einer Vespa in Italien
         
    Um eventuellen Problemen bei der späteren Zulassung in Deutschland aus dem Wege zu gehen, sollte man bei Kauf eines solchen Fahrzeuges darauf achten, daß die carta di circolazione zu dem Fahrzeug noch vorhanden ist. Weiterhin sollte man auf jeden Fall einen Kaufvertrag aufsetzen. Einige deutsche Zulassungsstellen / Straßenverkehrsämter bestehen darauf, daß dieser in Italien von einem Notar oder dem ACI (entspricht dem ADAC) beglaubigt wurde. Auf jeden Fall erspart ein solcher Kaufvertrag viel Streß mit den deutschen Behörden. Ich habe auch schon von Fällen gehört, in denen die deutsche Behörde auf einer Übersetzung durch ein anerkanntes Übersetzungsbüro bestanden hat. 
         
    Wenn es sich bei der Vespa um einen echten italienischen Scheunenfund handelt, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, daß die Fahrzeugpapiere schon in Italien nicht mehr vorhanden sind. Hier ist es von großem Vorteil, wenn man einen oben beschriebenen Kaufvertrag vorweisen kann. Nach meinen Erfahrungen ist es damit kein Problem, einen Fahrzeugbrief für Deutschland zu bekommen. 
         
    Einfuhrsteuer oder Zoll fallen nicht an, sofern das Fahrzeug mindestens drei Monate in Italien angemeldet war und auch schon einige Kilometer (nach meinem Kenntnisstand ca. 1.000 km) gelaufen ist und das Fahrzeug somit nicht mehr als Neufahrzeug gilt. Auch interessieren sich die italienischen, österreichischen und deutschen Grenzer normalerweise nicht für „so’n Haufen Blechschrott“ (Originalzitat). 
         
    Wie bekomme ich einen deutschen Fahrzeugbrief?

    In jedem Fall ist eine Auskunft über das Fahrzeug / die Fahrgestellnummer aus dem zentralen Fahrzeugregister in Flensburg erforderlich (Anschrift: Kraftfahrt-Bundesamt, Postfach 10 25 67, 24932 Flensburg). 

    Variante 1 

    Was aber, wenn der Roller schon in der heimischen Garage steht, der Kauf in Italien per Handschlag besiegelt wurde und keine Papiere zum Roller vorhanden sind oder eine importierte Vespa ohne Papiere in Deutschland zum Kauf angeboten wird? 

    Alle erforderlichen Papiere (s.o.) besorgen; d.h. mit dem Italienischen Vorbesitzer (sofern bekannt) und den italienischen Straßenverkehrsbehörden Kontakt aufnehmen (natürlich auf italienisch ...) und mit den dann hoffentlich kompletten Unterlagen den Gang zur deutschen Zulassungsbehörde antreten oder ... 

    Variante 2 

    Wenn der Roller schon mal in Deutschland zugelassen war, aber der Fahrzeugbrief nicht mehr vorhanden ist, muß bei der zuständigen Zulassungsstelle beantragt werden, daß der alte Fahrzeugbrief für ungültig erklärt wird, da dieser abhanden gekommen sei. Dieses Verfahren nennt sich Aufbietung des Fahrzeugbriefes. Man sollte aber der Zulassungsstelle keinen Anlaß zu der Annahme geben, daß das Fahrzeug aus dem Ausland importiert worden sein könnte. Die Zulassungsstelle setzt sich daraufhin wieder mit dem KBA in Flensburg in Verbindung, welches nach ca. sechs Wochen den Bescheid über die Ungültigkeit des alten Briefes an die Zulassungsstelle gibt. Die Zulassungsstelle kann nun einen neuen Fahrzeugbrief ausstellen. Seit Anfang 1997 werden jedoch keine Blanko-Briefe mehr ausgegeben; das Fahrzeug muß vielmehr zuerst für eine Vollabnahme nach § .. beim TÜV vorgeführt werden. Der Prüfer stellt nach erfolgreicher Untersuchung ein Gutachten aus, dessen Daten dann bei der Zulassung des Fahrzeuges in den Fahrzeugbrief eingetragen werden. 

    TÜV-Abnahme

         
    Bei der TÜV-Vorführung sollte die Vespa natürlich in technisch einwandfreiem Zustand sein. Hilfreich ist es in jedem Fall, wenn man die zur Prüfung erforderlichen technischen Unterlagen selbst beisteuern kann, da die Prüfgebühr sich unter anderem nach dem zeitlichen Aufwand richtet. Hilfe hierzu kann z. B. die Vespa Deutschland GmbH in Augsburg geben, sofern das entsprechende Vespa-Modell auch in Deutschland angeboten wurde. Aber auch für Modelle, die es nicht in Deutschland zu kaufen gab, kann eine Anfrage erfolgreich sein. Eine andere Möglichkeit besteht darin, eine Fotokopie eines Fahrzeugbriefes einer schon in Deutschland zugelassenen Vespa gleichen Typs (Fahrgestellnummernkürzel; z.B. 125 Primavera = VMB1T) zu besorgen. Über die gängigsten Typen sollte allerdings auch die TÜV-Prüfstelle in der nächsten größeren Stadt Unterlagen haben. 
         
    • Zu beachten ist, daß Vespas in Italien erst seit ca. 1978 (PX-Reihe) mit einer Blinkanlage ausgestattet wurden; in Deutschland aber Motorzweiräder ab Erstzulassung Juni 1961 mit Blinkern versehen sein müssen. Der technische Aufwand hierfür ist bei Vespas ohne Batterie nicht zu unterschätzen! Weiterhin sind die Lenkerinnenrohre für die Aufnahme der in Deutschland verwendeten Lenkerendenblinker von Hella derzeit nicht mehr lieferbar, so daß die Blinker oft direkt mit dem Gas- bzw. Schaltrohr verschraubt werden. Einige Prüfstellen mögen dies gar nicht; es wird dann beanstandet, daß sich die Blinker bei der Drehbewegung von Gas- bzw. Schaltrohr mitdrehen!
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    • Einige Prüfstellen machen Probleme wegen den in den frühen italienischen PX-Modellen anstatt einer Hupe installierten Wechselstromschnarren. Hier hilft nur das Suchen einer verständnisvolleren Prüfstelle oder das Nachrüsten einer Gleichstromhupe; betrieben entweder über eine nachzurüstende Batterie oder einen originalen Hupengleichrichter (Materialkosten jeweils ca. DM 100,- bis DM 150,-).
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    • Bei PX-Modellen verlangen penible Prüfer manchmal, daß eine zweite Rückholfeder für den Hauptständer nachgerüstet wird. 
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    • Bei für den italienischen Markt gebauten Vespa P200E bzw. PX200 handelt es sich ausnahmslos um die (ursprüngliche) 12 PS-Version. In Deutschland ist hierfür eine Umrüstung auf verstärkte Reifen (Kennzeichnung „reinforced“ oder „59J“) erforderlich.
    Kostenaufstellung (ohne Gewähr; Beträge sind ca.-Angaben!)
     
    KBA-Auskunft EUR 14,- (incl. Nachnahmegebühr) 
    Fahrzeugbrief EUR 15,-
    ggf. Aufbietung des alten Fahrzeugbriefes EUR 20,-
    Vollabnahme durch TÜV EUR 40,- bis ca. EUR 80,- (nach Aufwand)